Forschungsschwerpunkte

  • Politische Anthropologie: Anthropologie des Staates
  • Ökonomische Anthropologie
  • Anthropologie der Entwicklung
  • Peasant Studies und Agro-Food Studies
  • Anthropologie der Verwandtschaft
  • Science and Technology Studies
  • Medizinanthropologie
  • Anthropologie Chinas, Sinologie: ländliches China
  • Ethnographie, Methoden und Wissenschaftsphilosophie

Kurzbiographie

Christof Lammer studierte Kultur- und Sozialanthropologie sowie Sinologie an der Universität Wien, der Universität Tianjin und der Volksuniversität in Beijing. Seit 2019 ist er als Postdoc Assistent am Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt tätig und forscht zu Genomik und Präzisionsmedizin in Asien. Von 2013 bis 2017 war er Universitätsassistent (prae-doc) am Fakultätszentrum für Methoden in den Sozialwissenschaften (Schwerpunkt Ethnographie) und am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien. 2017 beteiligte er sich als Fellow an der ZiF-Forschungsgruppe 'Verwandtschaft und Politik: Eine konzeptionelle Trennung und ihre epistemischen Folgen in den Sozialwissenschaften' an der Universität Bielefeld. Ein Abschlussstipendium der Universität Wien ermöglichte die Fertigstellung der Dissertation „Performing State Boundaries: A Stategraphy of Citizen Participation in China“, die er im September 2018 mit Auszeichnung verteidigte (Promotio sub auspiciis Praesidentis rei publicae).

Christofs Forschungsinteressen liegen im Bereich der politischen und ökonomischen Anthropologie, der Anthropologie der Entwicklung, der Verwandtschaftsanthropologie sowie in den Peasant und Agro-Food Studies. Die 2016 lancierte „Präzisionsmedizininitiative“ der chinesischen Zentralregierung sowie die im selben Jahr eröffnete „Nationale Genbank“ verstärkte sein Interesse an den Science and Technology Studies sowie an der Medizinanthropologie. Regional liegt sein Fokus auf der Anthropologie Chinas. Seit 2011 machte er mehr als 18 Monate ethnographische Feldforschung in der Volksrepublik.

Lehre

WiSe 2018/19: SE Verwandtschaft: Beweis, Messung, Translation (auf Englisch), mit Tatjana Thelen
SoSe 2016: PS Qualitative Forschungsmethoden (Ethnographie)
WiSe 2015/16: VS ‘Bauern’ in der Globalisierung: anthropologische Perspektiven
SoSe 2014: PS Qualitative Forschungsmethoden (Ethnographie), mit Tatjana Thelen

Ausgewählte aktuelle Publikationen

Dissertationsprojekt

Performing State Boundaries: A Stategraphy of Citizen Participation in China

Betreuerin: Tatjana Thelen

Gutachter: Chris Hann (Halle), Thomas G. Kirsch (Konstanz)

Das Dissertationsprojekt von Christof Lammer befasst sich mit der Frage wie die Grenzen des Staates in Projekten ländlicher Entwicklung in der Provinz Sichuan in China performt werden. Im Mittelpunkt einer 15-monatigen ethnographischen Feldforschung zwischen 2013 und 2015 standen einerseits NGO-Initiativen zur Förderung von ökologischer Landwirtschaft und ländlichen Genossenschaften und andererseits die bürokratische Verwaltung von staatlicher Sozialhilfe. Dabei wurde der „Stategraphy“-Ansatz von Tatjana Thelen und ihren Kolleginnen (2014) – ein relationaler Ansatz zur ethnographischen Erforschung von Staaten – in die Volksrepublik China gebracht und mit einem Fokus auf Performances verknüpft. Anhand von Projekten und Politiken, die zu Bürgerbeteiligung aufrufen, wird erforscht, wie Beamte und andere Bürgerinnen die Grenze von dem, was sie als staatlich beziehungsweise nicht-staatlich erachten, situativ performen. Es wird gezeigt, wie das vor unterschiedlichem Publikum über Unterstützung und folglich über Zugang zu verschiedenen Ressourcen entscheidet. Damit schließt die Dissertation eine Lücke in der Anthropologie des Staates. Frühere Konzeptualisierungen des Staates als Subjekt und als Objekt wurden zwar bereits mit verstärkt prozessualen und relationalen Staatsverständnissen ersetzt. Dennoch tendieren die meisten Studien dazu die Unterscheidung zwischen Staat und Gesellschaft vorauszusetzen anstatt die „performative Grenzarbeit“ (performative boundary work) zu untersuchen. Dieser analytische Fokus auf Grenzarbeit stellt außerdem disziplinäre Arbeitsteilungen in Frage. Daher trägt diese Dissertation nicht nur zu Debatten in der politischen Anthropologie bei, sondern auch zur Anthropologie der Verwandtschaft, des (Post-) Sozialismus und den Agro-Food Studies. Die Auseinandersetzung mit Performances der Abgrenzung des Staates eröffnet zum einen neue Perspektiven auf den chinesischen Staat, die über Vorannahmen und Behauptungen autoritärer, sozialistischer oder kultureller Andersheit hinausgehen, und regt zum anderen eine Verschiebung des Blickes auf Partizipation in Staaten des vorgestellten „demokratischen Westens“ und anderswo an.

 

 

Post-doc Projekt

Gesundheit und die Bestimmung von Graden der Verbundenheit: nationale Genome und individualisierte Medizin in China

Derzeit bereitet Christof Lammer ein Forschungsprojekt an der Schnittstelle der Anthropologie der Verwandtschaft, Ökonomie, Wissenschaft und Medizin vor. Am Beispiel von Chinas 2016 errichteten “Nationalen Genbank” und der im selben Jahr lancierten “Präzisionsmedizininitiative” fragt das Projekt wie Spannungen entstehen und bearbeitet werden, wenn nationale Genome für individualisierter Medizin produziert werden. Es soll untersucht werden, welche „gesunden“ Individuen, Familien, Nationen und Märkte durch die Bestimmung von Graden der Verbundenheit in der Lebensökonomie koproduziert werden.


Vorträge

  • 2018. "Grey and green infrastructure: un/doing state boundaries in an 'ecological village' in China". 4th Vienna Ethnography Laboratory, "Infrastructures: Imagination, Materiality, Process." organisiert von Tatjana Thelen, Kirsten Rüther und Peter Schweitzer, Universität Wien, Österreich, 26.09.2018.
  • 2017. "Listing signatures of belonging: Welfare and performances of community and state in China". Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) "Zugehörigkeiten: Affektive, moralische und politische Praxen in einer vernetzten Welt", Panel "The politics of lists" organisiert von Sabine Strasser und Martin Sökefeld, FU Berlin, Deutschland, 05.10.2017.
  • 2017. "Distancing the entangled state: Performances of peasant participation in a food network in China". Workshop "China and Chinas: the many faces of the nation state" organisiert von Jean-Baptiste Pettier und Roberta Zavoretti, Universität zu Köln, Deutschland, 27.07.2017.
  • 2017. "Intervening by upholding the state/family-split: Participation in an NGO's 'rural community education' for China's 'left-behind children'". ZiF Summer School "Kinship and Politics. Undoing the Boundaries", ZiF Zentrum für interdisziplinäre Forschung, Universität Bielefeld, Deutschland, 03.07.2017.
  • 2017. "Reworking state boundaries through performances of care". Werkstatt Serie, organisiert von Chris Hann, Max Planck Institut für ethnologische Forschung, Halle (Saale), Deutschland, 13.06.2017.
  • 2017. "Staging ecology, consuming transparency civil society style." IKSA Graduate Forum "The many social lives of policy: across different processes and regional contexts", Universität Wien, Österreich, 28.04.2017.
  • 2016. "Peasant friends, greedy entrepreneurs and corrupt officials? Caring for food safety in China". 14. Konferenz der European Association of Social Anthropologists (EASA): "Anthropological legacies and human futures", Panel "Cross-cutting care and care across cuts: dimensions of care in contexts of crisis and social change" organisiert von Antónia Pedroso de Lima und Rosie Read, Mailand, Italien, 22.07.2016.
  • 2016. "Avoiding to offend others: 'democratic' participation in rural governance in China". 3rd Vienna Ethnography Laboratory, "Practices of Bureaucracy and State Practices. Power, Interaction, Exclusion" organisiert von Tatjana Thelen, Birgit Sauer und Wolfram Schaffar, Universität Wien, Österreich, 10.06.2016.
  • 2015. "Peasant friends and State certification: Negotiating boundaries on the way to food safety in China". Workshop "Chinese Capitalism in the World System: New Perspectives" organisiert von Felix Wemheuer, Global South Studies Center, Universität zu Köln, Deutschland, 12.12.2015.
  • 2015. "Being the crisis of someone else: Chinese 'peasants' as objects of transformation". Tagung der Deutschen Gesellschaft für Völkerkunde (DGV) "Krisen: Re-Konfigurationen von Leben, Macht und Welt", Marburg, Deutschland, 02.10.2015.
  • 2014. "Co-production beyond 'alternative' food networks". STS Conference Graz 2014 "Critical Issues in Science and Technology Studies", Graz, Österreich, 05.05.2014.
  • 2013. "Relocating Capitalism and Reproducing Inequalities: Unintended Outcomes of Experiments with Cooperation in Post-Mao Rural China". IAMO Forum 2013 "Rural Areas in Transition", Halle (Saale), Deutschland, 20.06.2013.
  • 2013. "Imagined Cooperatives: Eine Ethnographie über Kooperation und Konflikt in Projekten zum neuen ländlichen Aufbau in einem chinesischen Dorf". Gastvortrag in der Vorlesung "Einführung in die ökonomische Anthropologie" von Gertraud Seiser, Universität Wien, Österreich, 21.01.2013.

Organisierte Workshops

  • 2019. Panel "Measuring kinship: the end of negotiating relatedness?" gemeinsam mit Tatjana Thelen (Wien) und Staffan Müller-Wille (Exeter), Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sozial- und Kulturanthropologie (DGSKA, ehemals DGV) "The End of Negotiations?", Universität Konstanz, Deutschland, 29. September-2. Oktober 2019.

  • 2017. IKSA Graduate Forum "The many social lives of policy: across different processes and regional contexts", 27.-29. April 2017, Universität Wien, gemeinsam mit Volha Biziukova, Cansu Civelek, Alexandra Sindrestean, Andreas Streinzer und Melanie Sindelar.