Mediated Pasts – Popular Pleasures: Medien und Praktiken populärkulturellen Erinnerns

09.11.2017

Tagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung”, Institut für Europäische Ethnologie & Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage (CARMAH) an der Humboldt-Universität zu Berlin

4.-6.10.2018

Deadline: 31.01.2018

Das Vergnügen an der medialen Vergegenwärtigung von Vergangenem ist ein zentraler Bestandteil von Populärkulturen: sei es die Aufarbeitung von Geschichte in Romanen, Filmen oder Videospielen; seien es die nostalgischen Sammlerpraktiken von „Fans“ und „Geeks“; sei es der auf Unterhaltung zielende Besuch von populärkulturellen Ausstellungen, Museen oder von „Dark Heritage”; sei es das individuelle Selfie zur Erinnerung an die Begegnung mit dem YouTube-Star; oder das Machen, Sharen und Liken von Videos gemeinsam besuchter Konzerte oder Fußballspiele über Social Media.

Die fünfte Arbeitstagung der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung” (www.kpuv.de), die in Kooperation mit dem „Centre for Anthropological Research on Museums and Heritage” (CARMAH, www.carmah.berlin) am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin stattfindet, widmet sich dem Schnittfeld von Medien-, Erinnerungs- und Populärkulturen. Am Titel „Mediated Pasts – Popular Pleasures” interessiert uns vor allem der verbindende Gedankenstrich: Inwiefern werden medialisierte Vergangenheiten zum integralen Bestandteil von Vergnügen? Und inwiefern fließt das Vergnügen wiederum in das Erinnern und damit die Gestaltung von Vergangenheiten ein?

Dabei verstehen wir „Erinnerungen” im Sinne einer prozessorientierten ethnografischen Erinnerungsforschung eben nicht als geschlossene Entitäten, sondern als Praktiken und Prozesse der zeitlich, räumlich und sozial situierten Vergegenwärtigung. Auf theoretischer Ebene ist dabei insbesondere die Frage relevant, wie Materialitäten (Körper, Artefakte, Dinge, Räume) und Technologien (vom Fernseher bis zum Smartphone) in populärkulturellen Praktiken zu Medien werden, die durch ihre spezifischen Affordanzen die Vergegenwärtigung von Vergangenem mitgestalten. Empirisch interessiert uns erstens, wie durch mediengestützte Vergegenwärtigung die ästhetischen, sinnlichen und emotionalen Erfahrungen des Erinnerns zu „popular pleasures“ (Fiske) werden, und wie dadurch zweitens Vergangenes als sinnstiftender Bezugsrahmen der Gegenwart auf spezifische Weise transformiert wird.

Letzteres ist für uns eine Frage von gesellschaftspolitischer Relevanz. Denn die Art und Weise, wie die Vergangenheit vergegenwärtigt wird, ist zentral für die Aushandlung von soziokulturellen Zugehörigkeiten, Selbst- wie Fremdbildern und Wir-Gefühlen. Durch ihre ästhetische und emotionale Zugkraft haben populärkulturelle Medien und Praktiken ein besonderes Potenzial zur Mitgestaltung dieser Dimensionen. Und es ist Aufgabe einer kritischen Populärkulturforschung, diese Potenziale zu hinterfragen: einerseits auf breiter gesellschaftspolitischer Ebene, auf der die Konstruktion imaginierter Gemeinschaften längst durch populärkulturelles Erinnern geprägt wird (Beispiel: Filme wie „Good Bye Lenin“, „Ostalgie“ und die Konstruktion des „Ostens“); aber zugleich auch auf individueller alltäglicher Ebene, wo populärkulturelles Erinnern zentraler Aspekt der Verortung in soziokulturellen Lebenswelten ist (Beispiel: das Selfie im ehemaligen Konzentrationslager als streitbare Form des In-Bezug-Setzens zum Holocaust).

Solche und weitere Perspektiven möchte die Arbeitstagung eröffnen. Erbeten sind sowohl theoretisch-konzeptuelle als auch empirische Beiträge. Vorträge in englischer Sprache sind herzlich willkommen! Da wir bei den Arbeitstagungen der Kommission aber viel Wert auf die lebendige und kritische Diskussion legen, sollten internationale Teilnehmer*innen auch den deutschsprachigen Beiträgen inhaltlich folgen können. Eine Publikation der Beiträge im Rahmen der Schriftenreihe der Kommission ist geplant. Die Exposés (max. 3000 Zeichen) mit Titel und kurzem CV bis zum 31.01.2018 bitte senden an: christoph.bareither@hu-berlin.de und ingrid.tomkowiak@uzh.ch